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„Träum' hier nicht rum, spiel' doch mal was Schönes“
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Westdeutsche Zeitung | 12.09.2018

Würde ein Kind dieser Aufforderung folgen, bestünde sein Spiel aus der Nachahmung oder Wiederholung vorgegebener Muster. Vielleicht wäre sein Spiel in den Augen seiner Eltern dann effizienter, weil es schneller zu Ergebnissen führt, die anhand von Bauanleitungen oder den Spielregeln nachvollziehbar sind. Das Kind würde lernen vorgegebene Aufgaben ohne murren abzuarbeiten. Kreative Talente würden dadurch nicht gefördert, auch wenn die Bauklötze oder Spielfiguren noch so bunt sind. Kreatives Spiel ist nicht immer zielgerichtet, oft sprunghaft und manchmal riskant. Kreative Kinder sind oft abgelenkt und träumen auch am helllichten Tag. Auch wenn diese Kinder kreativ erwachsen werden ändert sich daran wenig.

Als „Kreativitätskiller“ bei der Entwicklung von Kindern beschreibt die Forscherin Teresa Amabile (Harvard Business School) einige  Aspekte in der Erziehung. Belohnung: Dies verwundert zunächst, doch die Erwartung äußerer Beurteilung führt zum Verlust der inneren, intrinsischen Motivation. Welche Erfahrung haben wir mit Noten in der Schule gemacht? Beaufsichtigung: Führt zum Verlust der Impulse „Experimentierfreudigkeit“ und „Risikobereitschaft“. Bewertung: Bringt Kinder dazu, sich Gedanken darüber zu machen, Erwartungen gerecht zu werden. Es sollte ihnen aber darum gehen, wie zufrieden sie selbst mit ihren Leistungen sind. Druck und Entscheidungsunfreiheit: Dadurch, dass Kindern bestimmtes Tun vorgeschrieben wird, können sie den Eindruck gewinnen, eigene Interessen, Selbstständigkeit und kreative Neugier seien Fehler.

Eines meiner wichtigsten Statements im Diskurs über Kreativität ist: Man sagt „ich bin kreativ“, nicht „ich kann kreativ“. Kreativität ist daher ein Teil der Persönlichkeit, weniger der Fähigkeiten. Entwicklung der Kreativität ist also die zielgerichtete Entwicklung der Persönlichkeit.

Bei Entdeckungen und Ideen – also der Entwicklung von Lösungen – spricht man häufig von einer „Geburtsstunde“. Vorraussetzungen einer glücklichen Geburt sind Liebe, Zeugung, Schwangerschaft, Hoffnung und nicht zuletzt die Fähigkeit der Mutter, im entscheidenden Moment loszulassen. Die entscheidenden Schritte  des kreativen Prozesses haben viel mit dieser Metapher gemeinsam.  Die wichtigste Basis ist die – auch mit Emotionalität verbundene – Erweiterung der Wahrnehmung: Dadurch werden individuelle Rahmenbedingungen geschaffen, die interne Blockaden entfernt und geistige Vielfältigkeit ermöglichen. Wünsche werden zu Zielen: Der Prozess wird in Gang gesetzt. Ideen entwickeln sich intuitiv: Ein gutes Umfeld dafür ist ein geschützter Raum. Ideen, die nicht umgesetzt werden, sind keine: Dies erfordert intellektuelle, praktische, emotionale Kompetenzen und einen Blick auf die Zukunft. Umgesetzte Ideen muss man loslassen: Was sie bewirken, wie sie wahrgenommen werden und ob sie funktionieren, weiß man vorher nicht.

Unsere Gesellschaft wird noch geprägt von „Praktikern“, die aus den Kindern wurden, denen man das Träumen ausgetrieben hat.  Doch die Suche nach dem unerschöpflichen Rohstoff „Idee“ gewinnt eine immer größere Bedeutung. Viele sprechen dabei von „Kreativität“, streben im Grunde aber ausschließlich nach gewinnbringenden „Innovationen“. Gewinne sind messbar. Kreativität ist zwar zunächst unberechenbar. Trotzdem hat sie, wenn sie als Entwicklung der Persönlichkeit verstanden wird, das Potenzial, Freiräume zu schaffen, die Werte unserer Gesellschaft innovativ in eine positive Richtung mit Diversität zu entwickeln. Und nicht zuletzt auch Unternehmen aufgrund wertebasierter Führung zu fördern.

Träum' hier nicht rum, spiel' doch mal was Schönes FNWK Kolumne

 

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